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Do´s und Dont´s des Schreibens


Beim Schreiben wissenschaftlicher Texte gilt es Grundlagen zu beachten, die formeller aber auch stilistischer Art sind.


Vernachlässigt werden gerade an deutschen Hochschulen die stilistischen Schreibmittel.


Ein klares verständliches Deutsch ist einem Fachkauderwelsch vorzuziehen. Das Ziel wissenschaftlichen Schreibens liegt in der Vermittlung und Präsentation des Forschungsinhaltes. In beiden Fällen ist es unerläßlich die Zielgruppe, die Leserschaft, das Fachpublikum zu begeistern. Endlos verschachtelte Sätze, lieblos geschriebene, mit Fremdwörtern überfrachtete, in ausufernden und inhaltslosen Floskeln erstickende Texte tragen ganz sicher nicht dazu bei Verständnis zu vermitteln und Interesse zu wecken. Oft deutet beispielsweise eine übertriebene Verwendung von Fachbegriffen auf einen unzureichend erfaßten Forschungsgegenstand hin (v.a. bei Studenten) oder den Drang sich zu profilieren.


Es gibt eine besonders arrogante Un-kultur des Fachdeutsch, die sich daran ergötzt, sich immer mehr vom allgemeinen Sprachgebrauch abzugrenzen und eigenartige Sprachmuster zu entwickeln. Das ist weder nötig noch sinnvoll. Betrachtet man die Arbeiten renomierter Wissenschaftler, wie beispielsweise Carl Rogers oder Noam Chomsky, dann erkennt man insbesonders in ihren späten Arbeiten eine herausragend einfache Sprache, die sich deutlich von der Masse der wissenschaftliche Literatur abgrenzt. Sie gewähren über die Sprache jedem Zutritt, der Interesse zeigt und verstecken sich nicht hinter einer (Fach-)Sprachbarriere. Eine solche schriftliche Sprache ist erstrebenswert. Sie ist interessant zu lesen, klar und prägnant in der Fomulierung und zielgerichtet in der Darlegung des Gegenstands. Denoch, vielmehr: gerade deswegen, sind diese Texte fachlich absolut erschöpfend.


Einen stilistischen Ratgeber kann ich nicht schreiben, das wäre vermessen, aber ich werde aus verschiedenen einschlägigen Büchern einige Tipps (mit Quellenangabe) zusammenstellen.


Einige kurze Auszüge aus dem Buch von Wolf Schneider mit wertvollen Tipps:

  1. Adjektive:

    Es ist eine abwegige Vorstellung, dass sich vor jedem Substantiv ein Hohlraum befinde, der unter allen Umständen gestopft werden müsse. (Mackensen)“ (Wolf, 2001, S. 47)

    und weiter:

    Misstrauen gegen nur schmückende Beiwörter und Argwohn gegen das Adjektiv überhaupt, mit der Nutzanwendung: den Text auf irgend entbehrliche Adjektive durchsehen, jedes gestrichene als einen Gewinn zu betrachten und ein schlechtes Gewissen gegenüber jedem Satz haben, der mehr als ein Adjektiv behält.“ (Wolf, 2001, S. 48)

  2. Fremdwörter:

    Vorschlag zur Praxis: Das Fremdwort ist willkommen oder mindestens erlaubt, falls es

  • verständlich und treffend ist (Sex, Ironie)

  • verständlich und auf dieser Stilebene nicht durch ein deutsches zu ersetzen ist (homosexuell)

  • Lokalkolorit vermittelt (Datscha)

  • zwar nicht allgemein verständlich, aber bisher ohne deutsche Entsprechung ist.“ (Wolf, 2001, S. 69)

  1. Satzbau:

    Sparsamer Hauptsatz-Stil ist zwar gewiss leichter zu verstehen als einer mit Schachtelsätzen, auf Dauer attraktiv ist er jedoch nicht. Der hörer kann vom Satzbau her alles verstehen, was gesagt wird, aber ob er solch banalem Stakkato auch zuhören will? Abwechslung im Satzbau ist wichtig und Nebensätze sind nicht nur erlaubt, sondern nötig; sie müssen bloß am richtigen Platz stehen. (La Roche)„(Wolf, 2001, S. 97-98)


    Wir wollen lineare, konsekutive Sätze – Sätze, in denen eines aus dem anderen folgt, ohne Vorgriffe, Rückbezüge und logische Knoten; Sätze, in denen sich die Wörter nach romanisch-englischem Modell aufreihen wie Perlen auf der Schnur. Sätze wie Pfeile: Dedes Wort und jedes Satzglied sollen nicht nur räumlich auf das vorige folgen, sondern auch logisch, hierarchisch, chronologisch oder psychologisch.“ (Wolf, 2001, S. 117)


Anschauliches negatives Beispiel:

 

Nach 39 Wörtern: das Verb, erste Hälfte
Für wirtschaftliches Wachstum durch einen Abbau des staatlichen Schludenzuwachses und sich daraus ergebende Zinssenkungen, durch eine änderung des Steuersystems und Erhöhung der Ertragskraft der unternehmen sowie eine masßvolle Taarifpolitik und die Einführung der persönlichen Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital
hat sich die CDU/CSU als ihrem Weg aus Arbeitslosigkeit und Stagnation entschieden. Frankfurter Allgemeine, 10.2.1982“(Wolf, 2001, S. 118)


Ratgeber für stilistisch gutes Deutsch:

Image Schneider, Wolf (2001) Deutsch für Profis. Wege zum guten Stil. Goldmann
Ein herrvorragendes, bissig-witzig geschriebenes Buch. Wolf Schneider hält mit seinem Fachwissen nicht hinter den Berg, sondern greift auf unterhaltsame Weise dem Anfänger, aber auch dem fortgeschrittenen Scheiber, stilistisch unter die Arme. Wegen seiner sehr direkten Art zu Schreiben und Sprechen ist Schneider nicht unumstritten, sein Fachwissen ist aber unbestreitbar profund. Macht sich auf jedem Schreibtisch gut und kann schnelle Hilfe bieten. Dieses Buch jetzt bei Libri.de bestellen!

 

 

 

 

Image Schneider, Wolf (2005) Deutsch für Kenner. Piper
Hier legt Wolf Schneider im bekannten Stil noch einmal ordentlich nach. Dieses Buch jetzt bei Libri.de bestellen!

 

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